
Hat die Flucht endlich ein Ende
Seit Jahrzehnten heimatlos zu sein, nirgends willkommen, keinen sicheren Zufluchtsort zu haben – ein unvorstellbares Szenario für viele Menschen in Deutschland. Für die palästinensische Familie Sadia ist dies aber bittere Realität.
Seit Februar 2015 lebt die sechsköpfige Familie in Dummerstorf im Landkreis Rostock. Die beiden ältesten Kinder Nour (20) und Nirmeen (17) verbringen den Tag damit Deutsch zu lernen. „Das Internet ist uns beim Lernen sehr behilflich“, sagt Nirmeen. Ihre ältere Schwester absolviert außerdem ein ehrenamtliches Praktikum in einer Kita. Ihr jüngerer Bruder Mohammed (11) geht in Sanitz zur Schule und spielt im Fußballverein, wo er nach eigenen Angaben schon viele Tore geschossen habe. Der Jüngste Aeham (6) ist noch nicht im schulpflichtigen Alter. Die gesamte Familie nimmt am ehrenamtlichen Deutschunterricht teil, weiß ihr Familienpate Ralf Pöhland (53) zu erzählen. „In der Wohnung sind überall kleine Klebezettel angebracht, auf denen die deutschen Begriffe stehen“, berichtet Pöhland weiter. Die Familie ist gut integriert und in der Gemeinde beliebt. „Es würde uns freuen, wenn wir hier bleiben können. Die Jungs fühlen sich das erste Mal sicher“, sagt ihr Mutter Rania (38).
Zuvor lebte die Familie drei Generationen lang im UN-Flüchtlingscamp „Yarmouk“ in der Nähe von Damaskus. Nach einem Raketenangriff, bei dem zwei Familienmitglieder starben und ihr Wohnhaus zerstört wurde, verließen die Sadias das Camp. Nach ihrer Flucht durch das syrische Bürgerkriegsgebiet, kamen sie in dem Libanon an. Dort befanden sie sich als Flüchtlinge in einem völlig rechtlosen Status und mussten 1500 Dollar im Quartal zahlen nur um ihre Aufenthaltsgenehmigung aufrechtzuhalten. Aufgrund dieser Umstände mussten sie zwangsweise ihre Flucht fortsetzen und kamen eher zufällig in Frankreich an. In Frankreich wurden sie schließlich von den Ordnungsbehörden aufgegriffen und registriert. Anschließend wurde die Familie interniert und sei nicht sehr freundlich behandelt worden, berichtet Rania. Deshalb flohen sie und ihre Kinder weiter nach Dänemark und schließlich nach Dummerstorf.
Doch auch hier wird ein dauerhafter Aufenthalt schwierig. Der Staat droht mit einer Abschiebung nach Frankreich. Diese wäre zwar aufgrund der Dublin-II-Verordnung rechtens, doch könnte Deutschland der Familie auch die Möglichkeit einräumen, hier den Asylantrag zu stellen. Der Helferkreis „Flüchtlinge in Dummerstorf“ ist der Ansicht, die Flucht der Familie müsse nun endlich ein Ende haben.
Ich freue mich sehr, dass es so viele engagierte Menschen gibt, die den Asylbewerbern helfen.
Ich möchte mich herzlich bedanken bei Angelika Blümicke und dem Helferkreis in Dummerstorf, sie leisten eine tolle Arbeit, ich unterstütze sie nach Kräften.
Dr. Hikmat Al-Sabty
