
Kulturpolitischer Tiefpunkt: Volkstheater Rostock soll Zwei-Sparten-Theater werden
Nach Ansicht des kulturpolitischen Sprechers der Linksfraktion, Torsten Koplin, ist der gestrige Beschluss der Rostocker Bürgerschaft, zwei von vier Sparten des Volkstheaters Rostock (VTR) zu schließen, ein neuer Tiefpunkt in der Kulturpolitik des Landes.
„Teile der Rostocker Bürgerschaft sahen sich offenbar genötigt, der Erpressung des Kulturministers nachzugegeben“, erklärte Koplin am Donnerstag in Schwerin. Sie hätten damit dem Kulturkannibalismus Tür und Tor in dem Glauben geöffnet, das Schleifen des Theaters werde durch eine Finanzspritze von 110 000 Euro für die freien Kulturträger wettgemacht. „Das ist ein Trugschluss, der scheinbare Gewinn wird den bitteren Verlust nicht aufwiegen“, so Koplin.
Landespolitisch gehe es im Fall des VTR ohnehin nur vordergründig um Geld oder um eine Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Spielstätten im Land. „Vielmehr geht es um die fehlende Bereitschaft, sich zu den Theatern und Orchestern im Allgemeinen und einem starken und angebotsreichen Volkstheater im Besonderen zu bekennen“, kritisierte Koplin.
Einen Mangel an Willen und ein Mehr an Willkür zeige die Landesregierung auch bei der Ausreichung der ursprünglich vereinbarten Rate von 470 000 Euro an das VTR. „Quasi im Handumdrehen reduzierte Minister Brodkorb die Zuweisung um 220 000 Euro auf 250 000 Euro, ohne dafür Gründe anzugeben“, so Koplin. „Dies ist das klare Signal an die Betroffenen in Rostock, dass es allein von seinem Gutdünken abhängt, ob die Angestellten des VTR im Dezember ihre Gehälter bekommen. Dieses Agieren nach Gutsherrenart ist geradezu unerträglich.“
