„Schön“-geschrieben

Der erste Bildungsbericht unseres Landes beschönigt verletzend und ignorant die tatsächliche Situation unserer Kinder.

In diesem Bericht ist jedes Glas des täglichen Lernens halbvoll, obwohl unsere Schülerinnen und Schüler kurz vor dem Verdursten sind. Nur engagierte Lehrerinnen und Lehrer sowie die Eltern retten ansatzweise dieses Sterben auf Verordnung.
14 Prozent unserer Mädchen und Jungen verlassen die Schulen ohne Abschluss, bei nur 18 Prozent der Kinder ist die Problemlösefähigkeit in der Mathematik durchschnittlich ausgeprägt.
Mehr als 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler benötigt für den Abschluss der Mittleren Reife mehr als 10 Schulbesuchsjahre.
Jedes vierte Kind der dritten und achten Jahrgangsstufe erreicht im Lesen keine Mindeststandards. Hingegen liegen 37 Prozent der Drittklässler in der Lesekompetenz über dem Niveau. Hier wird deutlich: Würde es tatsächlich das gesetzlich verankerte Recht unserer Mädchen und Jungen auf individuelle Förderung geben, müsste ein breites Mittelfeld existieren, das den Standards gerecht wird.
Der Bildungsbericht belegt: Die Gläser sind fast leer. Wir sind weit entfernt von individueller Förderung, weit entfernt von einem integrativen Schulsystem und weit entfernt von einer auskömmlichen Finanzierung des Bildungswesens.
Vor allem aber ist das Schulsystem unseres Land weit entfernt von seiner wichtigsten und wirklich schönen Aufgabe: von der Bildung und Förderung unserer Kinder.