Gregor Gysi ruft zur Solidarität mit Intendant Sewan Latchinian auf

Aufruf: Solidarität mit Sewan Latchinian, dem Theater Rostock, den Bewohnerinnen und Bewohnern und Gästen der Stadt
Die Entscheidung des Rostocker Oberbürgermeisters Rohland Methling, zwar an der fristlosen Entlassung von Sewan Latchinian als Intendant des Rostocker Volkstheaters festzuhalten, aber nicht den Klageweg gegen die Entscheidung der Bürgerschaft einzuschlagen, interpretieren wir als immerhin erstes Zeichen der Dialogbereitschaft.

Voraussetzung dafür kann jedoch nicht sein, dass Sewan Latchinian seinen bisherigen Kampf für den Erhalt des Vier-Sparten-Hauses aufgibt. Vor erst einem Jahr wurde ihm mit dem Arbeitsvertrag ein Vier-Sparten-Haus zugesichert, darauf basiert sein gesamter konzeptioneller Ansatz.
Dass im Theater Rostock noch Leben steckt, hat Sewan Latchinian mit seinem Spielzeitauftakt deutlich gemacht. Was Rostock bevorsteht, wenn das Volkstheater geschlossen wird, auch. Mit viel Aufwand und subversiver Phantasie arbeitete er die Vorzüge eines Vier-Sparten-Hauses beim „1. Stapellauf: Neubeginn“ heraus und zeigte unter anderem auch in der Oper „Untergang der Titanic“, welches Potential gerade spartenübergreifende Inszenierungen bieten. Publikum und Kritik würdigten den überfälligen Neuanfang am krisengeschüttelten Volkstheater und zeigten sich von der Aufbruchsstimmung begeistert.
Wir solidarisieren uns mit Sewan Latchinian und hoffen sehr, dass er mit seinem Vorschlag, einen Runden Tisch einzuberufen, gehört wird. Dies wünschen wir uns auch für das Volkstheater Rostock, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Rostocker Bürgerinnen und Bürger und die Gäste der Stadt.
Wir hoffen, dass die Bürgerschaft am Mittwoch ihre Entscheidung bestätigt. Jeder Tag, der ohne Intendant vergeht, stellt die kommende Spielzeit mehr und mehr in Frage.
Die vom Oberbürgermeister durchgedrückte fristlose Entlassung halten wir nach wie vor für völlig überzogen und unangebracht. Es kann nicht sein, dass man sich missliebiger Kritiker auf diese Art und Weise zu entledigen sucht. Sewan Latchinian war angetreten, nicht nur ein Vier-Sparten-Haus in sicheres Fahrwasser zu bringen, sondern auch – wie es von ihm nicht anders zu erwarten war – kulturpolitischer Barbarei zu trotzen.
Wir fordern von der Landesregierung, den versprochenen Dialog zur geplanten Theaterreform mit allen Akteurinnen und Akteuren ergebnisoffen zu führen und vor allem bereits vorliegende Alternativen in die Diskussion einzubeziehen. Kulturabbau ist kein Mittel der Haushaltssanierung! Im Gegenteil: Kultur gehört zur Daseinsvorsorge. Alle, die die Diskussion über Strukturveränderungen unter rein fiskalischen, betriebswirtschaftlichen Aspekten führen, erinnern wir an Sewan Latchinians Ausspruch: „Kultur kostet, Unkultur noch mehr.“ Der letzte Zweck von Politik muss ein Mehr an Kultur sein.
Dr. Gregor Gysi, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
Dr. Dietmar Bartsch, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
Sigrid Huppach, stellvertretende Vorsitzende und kulturpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
Heidrun Bluhm, Mitglied der Bundestagsfraktion und Vorsitzende der Partei DIE LINKE Mecklenburg-Vorpommern
Torsten Koplin, kulturpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. im Landtag Mecklenburg-Vorpommern
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