Frauen als rechtsextremistische Täterinnen – Klischees und Notwendigkeiten

Bundestagsabgeordnete der Fraktion DIE LINKE. haben am 18. Juni an die Bundesregierung eine Kleine Anfrage gestellt, die sich auf Frauen als rechtsextremistische Täterinnen bezog.(Drucksache 17/10045) Nach wie vor ist das Bild des Rechtsextremismus in Politik und Öffentlichkeit durch männliche Perspektiven geprägt. Doch welche Rolle haben Frauen in rechtsextremistischen Organisationen? DIE LINKE. möchte über Klischees aufklären und eine differenzierte Analyse entwickeln, auch um zielgruppenorientiert gegen den Rechtsextremismus handeln zu können.

In den vergangenen 7 Jahren waren von über 85 000 Tatverdächtigen einer politisch rechts motivierten Straftat nur rund 6 000 Personen weiblich. In Mecklenburg Vorpommern wurden 2010 insgesamt 18 Frauen verdächtigt, an politisch rechts motivierten Straftaten beteiligt gewesen zu sein. Festgenommen wurde jedoch nur eine Tatverdächtige. 2011 sank die Zahl auf 9 weibliche Tatverdächtige, Festnahmen gab es darunter nicht.

Steffen Bockhahn, Bundestagsabgeordneter und als Mitglied im Haushaltsausschuss des Bundestages zuständig für die Programme gegen Extremismus, betont die Zuständigkeiten des Bundesfamilienministeriums:

„Momentan werden durch die Bundesregierung keine Projekte zum Thema Frauen und Rechtsextremismus gefördert. Zwar sind nur wenige Tatverdächtige weiblich, doch gibt es viele Frauen, die rechtsextreme Strukturen und Organisationen maßgeblich stützen. Sie agieren im Hintergrund, organisieren Veranstaltungen für Familien und Kinder, verbreiten rechtsextremes Gedankengut. Oft handeln sie auf einer subtilen Ebene und dringen in soziale Strukturen ein. Zum Beispiel bei Elternräten in Kindergärten und Schulen. Das macht die Rolle rechtsextremer Frauen gefährlich.

Das Bundesfamilienministerium sollte spezielle Projekte entwickeln, die auf die besondere Rolle von Frauen in rechtsextremen Strukturen zugeschnitten sind.
In unserem Bundesland brauchen wir außerdem eine starke Förderung von Programmen, die sich auf Kinder- und Jugendliche konzentrieren. Aufklärung, demokratische Teilhabe und Bekämpfung von Armut, das sind die Mittel um Rechtsextremisten das Wasser abzugraben.“

Die Statistiken des Bundeskriminalamtes zeigen weiterhin auf, dass meistens Männer Täter und Opfer von rechtsextremen Straftaten werden. 2011 waren bundesweit 84,6 % aller Opfer rechter Gewalt männlich.